Störungsbilder

Störungsbilder

Hier zeigen wir Ihnen verschiedenen Störungsbilder bei Kindern und Erwachsenen und erklären anhand von Fallbeispielen, wie sie sich bemerkbar machen.

Wir behandeln folgende Störungsbilder bei Kindern

Sprachentwicklungsstörung (SES)

Eine SES besteht, wenn ein Kind Schwierigkeiten hat, das System Sprache zu erlernen und seine Sprachentwicklung von der normalen Sprachentwicklung abweicht. Die SES kann sich in unterschiedlichen Ausprägungen auf verschiedene Bereiche der Sprache auswirken. Es können ein oder mehrere Bereiche der Sprache betroffen sein.

Der Bereich der Aussprache
Bei einer Störung der Aussprache kann das Kind einzelne Laute oder Lautverbindungen nicht oder nur falsch bilden. („Bald gehe is (ich) in die Sule“ (Schule).)

Der Bereich der Semantik und des Wortschatzes
Kinder mit einer Störung in diesem Bereich haben einen für ihr Alter zu geringen Wortschatz und Schwierigkeiten bei dem Erwerb von Wortbedeutungen. („... das rote Tütata“ (Feuerwehrauto))

Der Bereich der Grammatik
Bei Störungen im Bereich der Grammatik kann das Kind Sätze nicht richtig bilden. Häufig werden Teile des Satzes ausgelassen, das Verb an das Ende eines Satzes gestellt und falsche Wortendungen verwendet. („Mamma gleich in Kindergarten kommt“)

Eine SES tritt häufig auch bei Kindern auf, die zweisprachig aufwachsen.

Fallbeispiel

Jan (4 1/2 Jahre) kommt zur Sprachtherapie, weil er beim Sprechen das /k/ durch ein /t/ bzw. das /g/ durch /d/ ersetzt: "Ich dehe derne in den Tinderdarten".

In der Therapie wird zunächst die Wahrnehmung im Mundraum durch Sensibilisierungsübungen und die Beweglichkeit von Zunge und Lippen durch mundmotorische Übungen verbessert. Diese Fähigkeiten sind Voraussetzungen, um ein Gespür dafür zu bekommen, wo und wie ein Laut gebildet wird. Außerdem wird dadurch die Koordination bei der Artikulation gesteigert. Dann wird die Aufmerksamkeit auf den Laut /k/ gelenkt. Das Geräusch /k/ wird z.B. mit dem Geräusch beim Holz hacken verglichen, so dass Jan mit dem abstrakten Laut eine konkrete Vorstellung verbindet. Jan übt im Spiel das "Geräusch vom Holz hacken" nachzuahmen und von anderen Lauten zu unterscheiden. In der Therapie lernt er den Laut /k/ aus Wörtern heraus zu hören, denn die auditive Wahrnehmungs- und Unterscheidungsfähigkeit ist eine Grundvoraussetzung zum Erlernen des Lautes. Das Sprechen des Lautes wird erst isoliert, dann in einzelnen Silben und anschließend in Wörtern geübt. Die Übungen finden in Form von freien Spielen, verschiedenen Brettspielen und Arbeitsblättern statt. Am Ende einer Therapiestunde bekommt Jan immer eine kleine "Hausaufgabe" in Form von Arbeitsblättern, Übungen oder kleinen Spielen mit nach Hause. So können seine Eltern auch zwischen den Therapieeinheiten mit ihm ein wenig üben.

Nachdem Jan das /k/ auf der Wortebene richtig artikulieren kann, wird der Laut beim Sprechen in Sätzen gefestigt, so dass er die richtige Artikulation auch in die normale Sprache integriert. Nach Abschluss der Sprachtherapie wird Jan von seinen Freunden viel besser verstanden. Er fühlt sich in Gesprächssituationen sicherer und ist selbstbewusster geworden.

Sprachentwicklungsstörung bei Hörschädigungen

Kinder mit Hörschädigungen können die gesprochene Sprache nicht ausreichend gut wahrnehmen. Das führt dazu, dass sprachliche Entwicklung verzögert und eingeschränkt stattfindet oder bei schweren Hörschäden sogar ausbleibt

Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS)

Eine LRS liegt vor, wenn ein Kind bei normaler Intelligenz schwerwiegende und anhaltende Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens hat. Eine häufige Ursache für LRS sind Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen.

 

Fallbeispiel

Sandra (9 Jahre) geht in die dritte Klasse. Obwohl sie in den meisten Fächern gute Noten hat, bereiten ihr Lesen und Schreiben große Schwierigkeiten. Sie braucht viel Zeit, um beim Lesen den Sinn zu erfassen. Bei ungeübten Diktaten fällt es ihr besonders schwer, das Gehörte richtig zu schreiben. Häufig vertauscht sie Buchstaben in Wörtern (z.B. "Forsch" statt "Frosch") und verwechselt ähnlich klingende Buchstaben (z.B. "Worm" statt "Wurm"). Unbetonte Buchstaben oder Silben lässt Sandra oft ganz weg ("lesn" statt "lesen"). Daneben hat sie große Schwierigkeiten lange und kurze Vokale zu unterscheiden, so dass sie Dehnungs- oder Dopplungssregeln (z.B. "i" oder "ie" und "k" oder "ck" usw.) oft nicht oder falsch anwendet.

Durch eine ausführliche Diagnostik zu Beginn der Therapie stellt sich heraus, dass Sandra Schwierigkeiten hat, die gehörte Sprache schnell genug zu verstehen. Dazu kommt, dass ihre auditive Merkspanne relativ kurz ist, so dass sie sich z.B. bei längeren unbekannten Wörtern oft nur die ersten Silben und bei Diktaten nur die ersten Wörter eines Satzes merken kann.

In der Therapie werden vielfältige Schreib- und Leseübungen und gezielte Übungen zur auditiven Merkspanne und Konzentration durchgeführt. Sandras auditive Verarbeitung wird u.a. durch ein spezielles Verfahren (AUDIVA) gefördert, bei dem gefilterte Musik bzw. Sprache über Kopfhörer angeboten werden und dadurch die zentrale Laut- und Sprachverarbeitung trainiert wird.

Nach einigen Monaten Therapie haben sich Sandras Lese- und Schreibfähigkeiten bereits merklich gebessert. Es fällt ihr viel leichter, die einzelnen Laute in Wörtern heraus zu hören und zu unterscheiden. Sie kann die Rechtschreibregeln sicherer anwenden und ihre auditive Merkspanne hat sich verbessert, so dass ihr der Sprachunterricht in der Schule leichter fällt.

Redeflussstörungen

Redeflussstörungen können bei Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen auftreten.

Stottern
Beim Stottern ist der Redefluss des Sprechers auffallend häufig durch Wiederholungen („WWWer kommt?“), Dehnungen („Waaas ist los?“) oder Blockierungen („Was heißt ehm, ehm ehm, ehm das?“) unterbrochen. Das Kind ist während des Stotterns nicht in der Lage, die nötigen Artikulationsbewegungen fließend auszuführen.

Poltern
Poltern ist durch eine hohe Sprechgeschwindigkeit mit Sprechunflüssigkeiten gekennzeichnet, die aber keine auffallenden Wiederholungen oder Dehnungen beinhalten. Silben und Wörter werden häufig "verschluckt", so dass die Sprache sehr undeutlich wird.

Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)

Kinder mit auditiven Verarbeitungsstörungen können trotz normaler äußerlicher Hörleistungen das Gehörte nicht gut analysieren. Das liegt daran, dass sie in der Verarbeitung des Gehörten, im beidseitigen Hören und in der Filterung von Störgeräuschen Defizite aufweisen. Kinder mit AVWS reagieren oft empfindlich auf Hintergrundgeräusche, können sich verbale Aufträge und Anweisungen nicht merken und machen häufiger einen zerstreuten Eindruck. Eltern haben das Gefühl, dass ihr Kind zwar richtig hört und auch der Hörtest beim HNO-Arzt zeigt keine Auffälligkeiten, dennoch reagieren die Kinder nicht wie erwartet und vergessen schnell wieder, was gesagt wurde. Es fällt vielen Kindern mit AVWS schwer, die einzelnen Laute aus Wörtern heraus zu hören. Dadurch kommt es häufig zu Problemen beim Erlernen des Schreibens.

Selektiver Mutismus

 mutus (lat.): stumm.

Kinder mit einem selektiven Mutismus sprechen normalerweise nur in einem vertrauten Umfeld (z.B. mit Familienangehörigen) und schweigen außerhalb dieses Sicherheit bietenden Raumes.

Myofunktionelle Störungen

myos (griech.): Muskel.

Mit myofunktionellen Störungen werden Schwächen oder Fehlfunktionen der Muskeln im Mund-Gesichtsbereich bezeichnet (z.B. offener Mund oder Zungenfehlhaltung). Myofunktionelle Störungen können zu Zahnfehlstellungen führen.
Ein strukturiertes Muskelaufbauprogramm mit täglichen Übungseinheiten fördert harmonische Bewegungsabläufe im und um den Mund herum. Die Kieferorthopädie begleitet häufig die Behandlung.

Fallbeispiel

Simon, 9 Jahre alt, hat sich erstmals bei einer Kieferorthopädin vorgestellt. Bevor diese eine Klammerbehandlung beginnt, schickt sie Simon zur Sprachtherapie, weil seine Zunge beim Schlucken gegen die Zähne drückt. Eine Klammer würde die Zähne zwar in die korrekte Lage rücken, aber nach der Klammerbehandlung könnten sich die Zähne wieder in die alte Position fügen, da die Zunge weiterhin mit ihren zig tausend Berührungen als verschiebende Kraft wirken würde. (Man schluckt ca. 100-2000 mal täglich mit einer Zungenkraft von bis zu 3 Kilopond!)

Simon wird von der Sprachtherapeutin im Erstgespräch gründlich befragt über seine Ernährungsgewohnheiten und sonstige liebgewonnene Angewohnheiten rund um den Mund wie Daumenlutschen, Nägelkauen, offene Lippen, aber auch seine Körperhaltung im Allgemeinen wird beobachtet. Dann wird sein aktuelles Schlucken untersucht und seine Lippenkraft gemessen. Abschließend wird das Schlucktraining, das wir anbieten, erklärt und Simon muss sich entscheiden, ob er an dem Training teilnehmen will. (In der Regel werden die Kosten für diese Therapie von den Krankenkassen übernommen.)

Simon kommt nun jede Woche 45 Minuten zum Schlucktraining. Er muss wie beim Fußballtraining seine Zunge, Lippen und Mundmuskeln trainieren. Deshalb bekommt er von der Therapeutin Hausaufgaben auf, die er täglich drei mal zu Hause durch führen muss. Mit sportlichem Ehrgeiz übt er mit Hilfe von Nudeln und kleinen Ringen eine neue Schluckbewegung ein und führt viele Listen zur täglichen Kontrolle seines Schluckens. So kann er seine Fortschritte selbst ablesen.

Nach ca. 3-4 Monaten kommt Simon nur noch 14-tägig zur Sprachtherapie, da er das Meiste schon zu Hause selbstständig üben kann. In der Endphase des Trainings sucht er sich viele Erinnerungshilfen, um das richtige Schlucken im Alltag einzusetzen. Mit ca. 6 Monaten ist das Training beendet. Er bekommt eine Urkunde über die erfolgreiche Teilnahme und hat jede Menge über das Schlucken, das Sprechen und die Beweglichkeit der Mundmuskeln gelernt

Stimmstörungen

Stimmstörungen äußern sich in erster Linie durch Heiserkeit und eine eingeschränkte stimmliche Leistungsfähigkeit. Diese Symptome können eine funktionelle (Atem, Stimmgebung, Psyche) oder eine organische (Stimmknötchen) Ursache haben.

Schluckstörung (Dysphagie)

Unterschiedliche Grunderkrankungen (Schlaganfall, fortschreitende Muskelkrankheiten wie ALS, Tumore, psychogene Dysphagien, Presbyphagie (Schluckstörung im Alter) oder Schädelhirntrauma) können dazu führen, dass das für uns selbstverständliche Essen – und somit Schlucken – zu Problemen führt.
Diese Probleme äußern sich in der Regel durch häufiges Husten, ungeklärtes Fieber, Verminderung der Nahrungsaufnahme, Angst vor dem Essen oder Trinken und durch verstärktes Räuspern.
Eine Schluckstörung kann für den Betroffenen lebensbedrohlich werden: auf Grund fehlender, verlangsamter oder falscher Bewegungsabläufe können beim Schlucken Nahrung und Sekrete in die Lunge gelangen und eine Lungenentzündung verursachen.

Wir behandeln folgende Störungsbilder bei Erwachsenen

Dysphonie (Stimmstörung)

Stimmstörungen äußern sich in erster Linie durch Heiserkeit und eine eingeschränkte stimmliche Leistungsfähigkeit. Diese Symptome können eine funktionelle (Atem, Stimmgebung, Psyche) oder eine organische (nach Schilddrüsenoperation, Stimmknötchen, Ödeme auf den Stimmlippen etc.) Ursache haben.

Fallbeispiel

Stimme

Herr F. (43 Jahre) erkrankte in den Wintermonaten an einer Grippe. Eine starke Bronchitis mit Halsschmerzen und einer heiseren Stimme schwächte ihn sehr. Die Heiserkeit blieb auch nachdem die Grippe ansonsten ausgeheilt war.

Da Herr F. in seinem Beruf hin und wieder viel sprechen muss, war er stimmlich permanent überlastet. Viel Trinken (besonders Salbeitee) und halsschmerzenlindernde Tabletten halfen kurzfristig, auf Dauer nicht.

Der HNO-Arzt verordnete eine Stimmtherapie. Die Therapeutin erklärte die Zusammenhänge zwischen Körperhaltung, Atmung und Stimme. Sie führte viele Wahrnehmungsübungen zu eigenen Stimme durch und führte Herrn F. langsam an eine ökonomische Stimmführung heran. Sie sprachen auch über vorbeugende Maßnahmen und über eine generelle Stimmhygiene.

Nach einiger Zeit hatte Herr F. gelernt, wie der mit seiner Atmung, einer guten Körperhaltung und lockeren Bewegungsabläufen im Mundraum eine gesunde und belastbare Stimme produziert, ohne seine Stimmbänder zu überanspruchen. Nach ca. 20 Sitzungen hatte Herr F. eine ganze Menge über seine Stimme erfahren und war ohne Probleme in der Lage, lange Vorträge ohne Anzeichen von Stimmbelastung zu halten.

 

Aphasie (Sprachverlust)

Eine Aphasie ist eine Beeinträchtigung der zentralen Sprachverarbeitung, die durch eine Hirnschädigung (z.B. durch einen Schlaganfall) verursacht wird. Die Symptome können je nach Schädigungsort und -ausmaß sehr unterschiedlich sein.
Vier typische Aphasiesyndrome:

Globale Aphasie
Die schwerste Form der Aphasie. Sprachproduktion und das Sprachverständnis sind erheblich gestört. Sprachliche Äußerungen sind nicht oder nur bruchstückhaft möglich. Häufig können nur Silbenfolgen ("dadada...") oder Floskeln ("ja", "nein", "gut" o.ä.) geäußert werden.

Broca Aphasie
Kennzeichnend ist eine stockende Sprechweise, ein einfacher Satzbau aus einzelnen Wörtern (Telegrammstil) und eine stark gestörte Grammatik. Das Sprachverständnis ist nur mäßig beeinträchtigt.

Wernicke Aphasie
Die Spontansprache ist flüssig und in normaler Geschwindigkeit möglich. Allerdings werden viele Wörter und Laute verwechselt oder verdreht, so dass die Sprache sehr schwer zu verstehen ist. Das Sprachverständnis ist meist stark eingeschränkt.

Amnestische Aphasie
Die leichteste Aphasieform ist vor allem durch Wortfindungs- und Benennungsstörungen gekennzeichnet. Sprechfluss, Satzbau sowie das Sprachverständnis sind nahezu normal.

Ein wesentlicher Bestandteil der Aphasiebehandlung ist die Beratung der Angehörigen. Ein Kommunikationsbuch o.ä. kann helfen, die Alltagsabläufe stressfrei zu gestalten.

Fallbeispiel

Aphasie

Horst M. erlitt im November 2001 mit 63 Jahren einen Schlaganfall. Durch die Hirnschädigung ist unter anderem seine Sprache betroffen. Er hat eine sogenannte Wernicke-Aphasie, das heißt, dass er in normalem Sprechtempo mit guter Artikulation und Satzmelodie spricht. Allerdings verwendet er oft falsche Wörter (z.B. "Löffel" statt "Gabel" oder "grün" statt "gelb"). Manchmal verwendet er auch falsche Buchstaben (z.B. "Welster" statt "Fenster" oder "Wirst" statt "Wurst"). Er hat zugleich Probleme mit der Grammatik (z.B. "und die Essen war wieder nicht geschmecken"). Da auch das Sprachverständnis beeinträchtigt ist, fällt es Horst M. sehr schwer, einer Unterhaltung länger zu folgen. Das Schreiben und Lesen von Herrn M. ist in gleicher Weise wie seine Sprache betroffen.

Die Sprachtherapeutin arbeitet mit Herrn M. zusammen an seiner Wortfindung, dem Satzbau bzw. Grammatik und seinen Schreib- und Lesefähigkeiten. Dies geschieht über vielfältige Methoden und Übungen, durch die wieder ein wenig Ordnung in seine durcheinander geratene Sprache gebracht wird.

Da der Schlaganfall mit seinen Folgen das Leben von Horst M. und seiner Frau gravierend verändert hat, berät die Sprachtherapeutin die Eheleute bei Fragen und Unsicherheiten im Umgang mit der Sprachstörung.

Sechs Monate nach dem Schlaganfall hat sich die Aphasie so weit verbessert, dass Herr M. immer seltener die Buchstaben in Wörtern verdreht und er häufig einfache grammatikalisch richtige Sätze bildet. Sein Sprachverständnis ist ebenfalls besser geworden. Die Störung in diesem Bereich beschränkt sich auf längere Sätze oder komplexe Thematiken, bei denen er nicht immer folgen kann. Er hat noch Schwierigkeiten in der Wortfindung, die intensiv in der Sprachtherapie trainiert wird. Insgesamt konnten durch die Sprachtherapie viele sprachliche Fähigkeiten von Horst M. wieder verbessert und durch eine eingehende Beratung viele Hilfestellungen für den alltäglichen Umgang mit der Sprachstörung gegeben werden.

Dysarthrie/Dysarthrophonie (Sprechstörung)

Eine Dysarthrie oder Dysarthrophonie bezeichnet eine zentrale Störung der Sprechmotorik, die unter anderem durch Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder degenerative fortschreitende Erkrankungen (Morbus Parkinson, ALS, Multiple Sklerose u.a.) hervorgerufen werden kann. Die Sprache bei Menschen mit Dysarthrie klingt oft verwaschen, undeutlich und unrhythmisch.

Bei der Dysarthtrophonie ist auch die Stimme und die Atmung betroffen. Schreitet die Erkrankung fort, kann auch das Schlucken erschwert sein und behandlungsbedürftig werden. (siehe auch Dysphagie)

Dysphagie (Schluckstörung)

Bei einer Schluckstörung hat der Patient meist direkt nach dem Schlucken das Gefühl, als stecke der Bissen noch im Hals, Flüssigkeit und Speise treten aus der Nase aus oder ein Husten und Würgen setzt ein. Besonders gefährlich bei einer Schluckstörung ist, dass Flüssigkeit und Speisen in die Luftröhre / Lunge gelangen können (sog. Aspiration). Dadurch kann es zu akuter Atemnot und Lungenentzündungen kommen.

Fallbeispiel

Schluckstörung (Dysphagie)

Als Frau P. im September 2005 einen Schlaganfall erleidet, bemerken Angehörige und Pflegepersonal im Krankenhaus, dass Frau P. beim Essen und Trinken ständig hustet und sich häufig räuspert. Außerdem braucht sie viel mehr Zeit zum Verzehr der Mahlzeiten, als vor dem Schlaganfall.

Durch eine endoskopische Untersuchung wird festgestellt, dass bei Frau P. während des Schluckens ein Teil der Nahrung in die Luftröhre gerät.
Frau P. wird zunächst in der Reha-Klinik und später ambulant in der sprachtherapeutischen Praxis behandelt. Sie führt in der Therapie und auch zu Hause bestimmte Übungen für Lippen und Zunge durch und bekommt von ihrer Therapeutin Anweisungen zur richtigen Körperhaltung beim Schlucken. Die Therapeutin stimuliert im und am Mund die am Schlucken beteiligten Bewegungsabläufe. Frau P. hält sich an einen Ernährungsplan, der vorgibt, welche Lebensmittel im Moment noch zum Verschlucken führen würden und deshalb gemieden werden müssen (z.B. sehr krümelige oder zu flüssige Speisen).

Nach einigen Behandlungswochen in der sprachtherapeutischen Praxis wird eine weitere endoskopische Untersuchung durchgeführt, um die Fortschritte von Frau P. zu dokumentieren.
Nach einigen Monaten muss Frau P. sich zwar noch an Haltungs- und Essregeln halten, aber sie verschluckt sich im Alltag nur noch selten.

Fazialisparese (Gesichtslähmung)

Die Facialisparese ist eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur, die durch den Gesichtsnerven (nervus facialis) versorgt wird. Meist ist nur eine Gesichtshälfte betroffen.

Myofunktionelle Störungen

myos (griech.): Muskel.

Mit myofunktionellen Störungen werden Schwächen oder Fehlfunktionen der Muskeln im Mund-Gesichtsbereich bezeichnet (z.B. offener Mund oder Zungenfehlhaltung). Myofunktionelle Störungen können zu Zahnfehlstellungen führen.
Ein strukturiertes Muskelaufbauprogramm mit täglichen Übungseinheiten fördert harmonische Bewegungsabläufe im und um den Mund herum. Die Kieferorthopädie begleitet häufig die Behandlung.